Regionaltriebwagen Baureihe 610

Vorgeschichte

Als die damalige Deutsche Bundesbahn den Erfolg der italienischen Pendolino-Züge sah, rückte die Neigetechnik wieder ins Blickfeld der Verkehrsplaner.

Als Ergebnis einer Untersuchung, wie der Regionalverkehr in Nordostbayern verbessert werden könnte, stellte sich als wirtschaftlichste Variante der Einsatz schneller Neigetechnikzüge heraus. Danach wurden Testfahrten mit dem italienischen Prototyp ETR 401, der mit Hilfe von Vorspannlokomotiven über die nicht-elektrifizierten Strecken gezogen wurde, durchgeführt, die erfolgreich verliefen.

Zug der Baureihe 610

Entwicklung

Nachdem das Land Bayern eine Zusage zur Forderung von Strecke und Fahrzeugen gegeben hatte, wurden bei der deutschen Fahrzeugindustrie wurden 20 diesel-elektrische Triebzüge der BR 610 bestellt, die mit der Neigetechnik aus dem Hause FIAT ausgerüstet wurden.

Die Baureihe 610 ist ein zweiteiliger Triebwagen für den Regionalverkehr und wurde vor allem für die kurvenreichen nicht-elektrifizierten Strecken Nordostbayerns entwickelt. Die Züge können in mehrfachtraktion verkehren und werden im Allgemeinen am Ende der Strecke geflügelt um verschiedene Ziele anzufahren.

Der Erfolg bestätigte den mutigen Schritt in eine neue Technologie zu investieren. Durch die kürzeren Fahrzeiten und den höheren Komfort konnten viele Fahrgäste (wieder)gewonnen werden. Natürlich wäre es vermessen diesen Erfolg allein der Neigetechnik zuzuschreiben. Man darf nicht vergessen, dass hier traditionelle lokbespannte Züge durch sprintstarke Triebwagen ersetzt wurden und statt 20-30 Jahre alten Wagen moderne Fahrzeuge zum Einsatz kamen.

Die Bundesbahn hätte gerne weitere Fahrzeuge dieses Typs beschafft, allerdings wollten andere Länder dafür keine Förderung gewähren und im Kompetenzgerangel der Bahnreform wurde schließlich eine Option auf weitere Züge nicht eingelöst.

Probleme

Im Jahre 2000 kam es zu einem Achsbruch bei einem der Fahrzeuge, was dazu führte, dass die Züge vorübergehend abgestellt wurden. Nachdem die Fehler im Drehgestell behoben wurden, verkehren die Züge wieder planmäßig.

Nach Softwareproblemen im Zusammenhang mit einer Entgleisung musst die Neigetechnik im Februar 2005 abermals stillgelegt werden, sie konnte aber ab 29.7.2005 wieder eingeschaltet werden. Obwohl fast ausgeschlossen werden kann, dass die Neigetechnik etwas mit der Entgleisung zu tun hat, verfügte das EBA, dass eine neue Software für die Neigetechnik entwickelt werden soll. Diese neue Software ist nun in Betrieb, obwohl sie wohl keinerlei Vorteile gegenüber der alten besitzt.

Einsatzstrecken

Die Züge werden ausschließlich im Nürnberger Raum für den schnellen RE-Verkehr auf den nicht elektrifizierten Strecken eingesetzt. Da die Züge mit dem Zugsicherungssystem, das auf neuen Neigetechnikstrecken eingesetzt wird nicht umgehen können, ist auch nicht davon auszugehen, dass sie jemals anderweitig eingesetzt werden.

Allerdings gaben die Züge ein kurzes Gastspiel als IC-Ersatz zwischen Nürnberg und Dresden, aber ohne Neigetechnik.

Einsatzende

Zum Fahrplanwechsel am 14.12.2014 endete der planmäßige Einsatz der Züge. Zuletzt waren noch 8 Züge vor allem als Verstärkerzüge im Einsatz gewesen. Der hohe Aufwand für die Ersatzteilhaltung der wenigen Züge und die Freisetzung von Zügen der Baureihe 612 durch Ausschreibungen und die Elektrifizierung von Strecken machten die Züge unwirtschaftlich. Außerdem sollen in Bayern möglichst nur noch Fahrzeuge mit Klimaanlage zum Einsatz kommen.

Der Triebzug 610 001/501 soll vom DB Museum übernommen werden.

Technische Daten

BezeichnungBaureihe 610
HerstellerSiemens/ABB/AEG/Fiat
Indienststellung1992
Anzahl20
Wagen/Zug2
Sitzplätze136
LüP51,750m
Gewicht95,4t
Leistung970KW
Antriebdiesel-elektrisch
vmax160km/h
Neigetechnik Pendolino

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