Neicontrol-e (Adtranz/Bombardier)

In Deutschland wollte man nach den Erfolgen der Italiener auch ein Neigetechniksystem entwickeln, um nicht vom Lizenzbau italienischer Drehgestelle abhängig zu sein. Diese System wurde in die Triebwagen der Baureihen 611 und 612 eingebaut.

Das System von Adtranz (heute Bombardier) baut auf einem System auf, das beim Leopard II-Panzer dazu dient auch bei schneller Fahrt über Geländeunebenheiten gezielt schießen zu können. Dazu wird das Rohr der Hauptwaffe durch eine Art Neigetechnik in der waagerechten gehalten.

Natürlich hat das endgültige Neigesystem nicht mehr viel mit dem des Panzers gemeinsam. Die Neigung erfolgt aber nicht, wie bei FIAT, mit Hilfe einer Hydraulik sondern stattdessen elektrisch mit Hilfe von Servomotoren. Bei diesem System, dass unter dem Markennamen Neicontrol-e vermarktet wird beträgt der mögliche Neigewinkel ebenfalls 8°.

Die Elektromotoren treiben eine Gewindespindel an, dadurch wird die Drehbewegung des Motors in eine Linearbewegung umgewandelt. Der an einer Wippe gelagerte Wagenkasten kann durch diese Bewegung in beide Richtungen geneigt werden, ohne Neigung befindet sich die Spindel genau in der Mittelposition. Für ein Drehgestell wird jeweils nur ein Motor benötigt.

Vorteil der Technik ist, dass sie wesentlich weniger Platz und Energie verbraucht als eine hydraulische Variante. Deshalb konnte sie im Gegensatz zu den frühen Pendolino-Varianten komplett unterflur untergebracht werden.

Das System war am Anfang mit vielen Problemen behaftet. Zunächst wurde die neuen Triebwagen der BR 611 wieder abgestellt und verkehrten später zunächst ohne Neigetechnik. Erst nach vielen Monaten und einer Umstationierung der Fahrzeuge auf andere Einsatzstrecken bekam man die Probleme in den Griff.